16.03.2026Wärmepumpen-Check im Gebäudebestand – Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Hamm Lippstadt u. der Soester Bauverein eG

Die Genossenschaft Soester Bauverein eG, gegründet 1896, gehört zu den ältesten Wohnungsbaugenossenschaften in Nordrhein-Westfalen. Heute umfasst der Bestand 306 Wohnungen bei über 400 Mitgliedern.
Ziel eines Projekts der Hochschule Hamm-Lippstadt gemeinsam mit der Soester Bauverein eG war es zu untersuchen, ob und unter welchen Bedingungen Wärmepumpen auch in größeren Wohngebäuden wirtschaftlich betrieben werden können.
Vorgehen
Untersucht wurden Mehrfamilienhäuser aus den Baujahren 1931–1970 mit Gaszentralheizung und bis zu 27 Wohneinheiten. Erfasst wurden zentrale Betriebsparameter der Heizsysteme. Auf Basis dieser Daten lässt sich die Jahresarbeitszahl (JAZ) abschätzen – eine zentrale Kennzahl für die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen.
Ergebnisse (Auszug)
Die Gebäude zeigen sehr unterschiedliche Voraussetzungen:
• <55 °C Vorlauf: rechnerische Arbeitszahlen >3 – effizienter Wärmepumpenbetrieb grundsätzlich möglich
• 65–70 °C Vorlauf: Arbeitszahlen <2–2,2 – klassische Niedertemperatur-Retrofits eher unwirtschaftlich
Auffällig war außerdem der Unterschied zwischen Einschätzungen bei Begehungen und den tatsächlichen Messdaten. Genau hier liegt der Mehrwert eines datenbasierten Wärmepumpen-Checks.
Praxisnahe Handlungsempfehlungen:
• Hydraulik und Regelung prüfen Hohe Spreizungen und fehlende witterungsgeführte Regelungen können unnötig hohe Vorlauftemperaturen verursachen.
• Heizflächen und Systemtemperaturen analysieren Durch Heizkörperoptimierung oder hydraulischen Abgleich lassen sich die benötigten Systemtemperaturen häufig deutlich senken.
• Gebäudeseitige Maßnahmen prüfen Teilmaßnahmen der energetischen Gebäudesanierung können den Wärmepumpenbetrieb erheblich verbessern.
• Systemkonzept anpassen Wenn dauerhaft hohe Temperaturen erforderlich sind, kommen beispielsweise – Hochtemperatur-Wärmepumpen – Wärmepumpenkaskaden mit Spitzenlastkesselin Betracht.
• Warmwasserstrategie überdenken Eine getrennte Warmwasserbereitung (z. B. dezentral) kann das Temperaturniveau der Raumheizung deutlich reduzieren.
Fazit
Der Gebäudebestand im Bereich großer Mehrfamilienhäuser älterer Bauart ist keineswegs pauschal „nicht wärmepumpentauglich“ – aber es gibt mitunter neben problemlos funktionierenden Fällen auch Beispiele mit Handlungsbedarf. Ohne Messdaten und Systemanalyse ist eine fundierte Entscheidung kaum möglich.
Vielen Dank an die Hochschule Hamm Lippstadt für die Zusammenarbeit und den offenen Austausch.